Hessisches Plädoyer für ein solidarisches Zusammenleben

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Allendorf (Lumda) hat in der Sitzung vom 16.12.2019 beschlossen, sich folgendem Plädoyer anzuschließen:

Die Würde des Menschen zu schützen ist Sinn der Demokratie

Hessisches Plädoyer für ein solidarisches Zusammenleben

 „Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“ Richard von Weizsäcker

 
Die Würde des Menschen zu schützen ist Sinn der Demokratie. „Die Menschenwürde ist unantastbar“ -  dieser Grundsatz ist die erste und oberste Norm unseres demokratischen Staates. Er unterliegt einem absoluten Schutzgebot. Er ist Leitgedanke allen staatlichen Handelns und des gesellschaftlichen Zusammenlebens und ist nach allem, was durch Deutsche an Unmenschlichkeit und Hass geschehen ist, nicht verhandelbar. Es geht um das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit und um Freiheit als Kern der Menschenwürde, aber auch um Gleichheit, Respekt und Teilhabe in unserer Gesellschaft. Unsere Unterschiede und unsere kulturelle Vielfalt begreifen wir als Chance und Reichtum.

  1. Gegenwärtig findet eine dramatische politische Verschiebung statt. Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind in erschreckendem Maße gesellschaftsfähig geworden. Was gestern noch undenkbar war und als unsagbar galt, wird derzeit Realität. Viele Teile Europas sind von einer nationalistischen Stimmung, von Ausgrenzung und Entsolidarisierung erfasst. Widerspruch wird gezielt als realitätsfremd diffamiert, solidarisches Handeln von einzelnen Regierungen kriminalisiert. Humanität und Menschenrechte, Religionsfreiheit und demokratischer Rechtsstaat werden offen angegriffen. Es ist ein Angriff, der uns allen gilt.

  1. Wir treten für eine offene, demokratische und solidarische Gesellschaft ein und wollen den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf der Grundlage von Menschenwürde, Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit fördern. Wir treten jeder Form von Demokratiefeindlichkeit, Hass, Hetze, Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und Erniedrigung entgegen. Wir wollen noch stärker als bisher die Anerkennung von Verschiedenheit mit dem Engagement gegen Ungleichheit verbinden, in Deutschland, in Europa und weltweit.

  1. Wir setzen uns ein für ein offenes, demokratisches und solidarisches Europa, das der zunehmenden sozialen Ungleichheit stärker als bisher entgegenarbeitet. Wir verteidigen das Recht auf Leben und das Recht auf Schutz und Asyl. Wir engagieren uns für ein Europa, das sich auch seinem kolonialen Erbe stellt und seiner Verantwortung für eine solidarische Weltgesellschaft gerecht wird. Gerade in der Zeit der Krise gibt es keinen anderen Weg als die Solidarität zwischen den Menschen.

  1. Wir wollen beitragen zu einem zukunftsfähigen Verständnis unserer Demokratie, das sich für bisher ausgeschlossene Menschen öffnet. Wir wollen neu verhandeln, was ein gutes demokratisches Miteinander ausmacht – ohne zum Beispiel Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte auszuschließen. Wir setzen uns für eine demokratische und gewaltfreie Streitkultur ein. Und wir schreiten ein, wenn die Grenzen eines guten, fairen und demokratischen Miteinanders verletzt werden.

Wir verpflichten uns, einen Diskussionsprozess zur Weiterentwicklung unserer Demokratie anzustoßen und mitzutragen. Dabei stehen wir ein für Ehrlichkeit – auch gegenüber Fehlern, die im Miteinander einer sich schnell verändernden Gesellschaft gemacht werden.

Wir sehen dieses Hessische Plädoyer als Auftakt eines Prozesses. Wir wünschen uns, dass sich eine breite demokratische Mehrheit unseres Landes daran beteiligt.

 

Erstunterzeichner*innen:

  • Agai, Prof. Dr. Bekim

Direktor, Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG), Goethe-Universität Frankfurt a.M.

  • · Ahrend, Prof. Dr. Klaus-Michael

Vorstand, HEAG Holding AG

  • Alinaghi, Dr. Yasmin

Geschäftsführerin, Der PARITÄTISCHE Hessen

  • Bauz, Gerd

Vorstand, Martin-Niemöller-Stiftung

  • Becker, Torsten

Stellvertretender Vorsitzender, Sozialstiftung des Hessischen Fußballs

  • Beger, Florian

Landesgeschäftsführer, Aidshilfe Hessen e.V.

  • Cakir, Prof. Dr. Naime

Sozial- und Religionswissenschaftlerin

  • Clausen, Dr. Harald

Vorstand, Diakonie Hessen

  • De La Rosa, Dr. Sybille

Projektleitung, Diakonie Hessen

  • Di Benedetto, Corrado

Stellvertretender Vorsitzender, agah-Landesausländerbeirat

  • Domnick, Thomas

Ehemaliger Diözesancaritasdirektor, Caritasverband für die Diözese Mainz e.V.

  • Droste, Martina

Schauspiel Frankfurt, Leiterin Junges Schauspiel

  • Dulige, Jörn

Oberkirchenrat, Leiter des Evangelischen Büros Hessen am Sitz der Landesregierung

  • Foraci, Ulrike

Geschäftsführerin, agah-Landesausländerbeirat

  • Fünfsinn, Prof. Dr. Helmut
  • Gern, Dr. Wolfgang

ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen

  • Gieseler, Stephan

Geschäftsführender Direktor, Hessischer Städtetag

  • Gülegen, Enis

Vorsitzender, agah-Landesausländerbeirat

  • Hafeneger, Prof. Dr. Benno

Erziehungswissenschaftler, Philipps-Universität Marburg

  • Hammann, Torsten

AWO Bezirksverband Hessen-Süd e.V., Generalbevollmächtigter des Verbandes und seiner Ge- sellschaften

  • Hilligardt, Prof. Dr. Jan

Direktor, Hessischer Landkreistag

  • Jehn, Dr. Alexander

Direktor, Hessische Landeszentrale für politische Bildung

  • Jost, Wilhelm

Vorsitzender, AWO Hessen-Süd

  • Karabörklü, Atila

Landesvorsitzender, Türkische Gemeinde Hessen Bundesvorsitzender, Türkische Gemeinde in Deutschland

  • Karg, Michael

Vorsitzender, Martin-Niemöller-Stiftung e.V.

  • Klärner, Jörg

Diözesancaritasdirektor, Caritasverband für die Diözese Limburg e. V.

  • Knapp, Wilfried

Vorstand, Diakonie Hessen

  • Latasch, Prof. Dr. Leo

Vorstandsmitglied, Jüdische Gemeinde Frankfurt

Vorstandsmitglied, Zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST)

  • Latzel, Dr. Thorsten

Direktor, Evangelische Akademie Frankfurt

  • Möller, Nils

Vorstandsvorsitzender, Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V., DRK –Landesverband Hessen

  • Neumann, Daniel

Direktor, Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen

  • Pax, Dr. Wolfgang

Leiter des Kommissariats der Katholischen Bischöfe im Lande Hessen

  • Praml, Willy

Regisseur und Leiter des Theater Willy Praml

  • Reuß, Stefan

Vorsitzender, Sozialstiftung des Hessischen Fußballs

  • Rudolph, Michael

Vorsitzender, DGB Hessen-Thüringen

  • Schelzke, Karl-Christian

Geschäftsführender Direktor, Hessischer Städte- und Gemeindebund

  • Scherenberg, Timmo

Geschäftsführer, Hessischer Flüchtlingsrat

  • Schmidt, Michael

Geschäftsführer, Arbeiterwohlfahrt, Bezirksverband Hessen-Nord

  • Stathopoulos, Alexandros

Geschäftsführung Region Frankfurt, Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.

  • Stöcker-Zafari, Hiltrud

Bundesgeschäftsführerin, Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.

  • Stöhr, Prof. Dr. Martin

Theologe

  • Valentin, Prof. Dr. Joachim

Direktor, Haus am Dom Frankfurt

  • Venske, Dr. Regula

Präsidentin, PEN Deutschland

  • Viktoria, Ralf

Stellvertretender Vorsitzender, Sozialstiftung des Hessischen Fußballs

  • Wagner, Dr. Thomas

Studienleiter, Haus am Dom, Katholische Akademie Rabanus Maurus

  • Wallmann, Dr. Walter
  • Witt, Sandro

Stellvertretender Vorsitzender, DGB Hessen-Thüringen

  • Zimmermann-Freitag, Michael

Regionalgeschäftsführer, Der PARITÄTISCHE Hessen