Einladung zur Exkursion über die Allendorfer Naturschutzflächen rund um den historischen Pestfriedhof

Natur trifft Geschichte – Magerrasen und Streuobstwiesen rund um den Pestfriedhof im Nordwesten Allendorfs

Die Stadt Allendorf Lda. lädt ein, am 22. Juni 2024 die Naturschutzflächen rund um den historischen Pestfriedhof bei einer Exkursion einmal ganz aus der Nähe kennenzulernen. Die Naturschutzmaßnahmen zur Entwicklung von seltenen Lebensräumen können bei einem gemeinsamen Spaziergang erkundet werden. Die Besonderheiten der Flächen werden von der Landschaftspflegevereinigung Gießen e.V. (LPV) vorgestellt und der Stadtschäfer Jens Biedenkopf erwartet die TeilnehmerInnen im Anschluss mit einem kleinen Imbiss aus eigener Herstellung.

Damit wir besser planen können, bitten wir um Anmeldung über das Bauamt, Frau Schnecker, Tel.: 06407 9112 47 oder  s.schnecker[at]allendorf-lda.de

Selbstverständlich können Sie sich zur Exkursion auch spontan entscheiden und besuchen.

Beginn um 14:30 Uhr, Treffpunkt am Rathaus. Wir bilden Fahrgemeinschaften und fahren bis zur „Schweinskaute“. Von dort folgt ein Spaziergang über die Naturschutzflächen inklusive „Vor dem Berg“, bis zum Pestilenzstrauch. Ende/offener Austausch gegen 17:00 Uhr.

Einigen Bürgern der Stadt Allendorf ist noch bekannt, dass „Am Pestilenzstrauch“ ein Friedhof lag. Er dürfte entstanden sein, als bei der Pest von 1635 die Stadtbewohner aus Angst vor Erkrankung aus der Stadt in die Nähe des Waldrands flohen und dort in Behelfshütten hausten. Ihre Verstorbenen wurden auf einem schlichten Friedhof am Waldrand bestattet. Lange war dieser Ort überwuchert und im Gelände nicht mehr sichtbar. Von der LPV wurde im Auftrag der Stadt Allendorf das Gebiet als Kompensationsfläche für Bebauungspläne hergerichtet, um den kulturhistorisch wertvollen Pestfriedhof sowie die Reste eines artenreichen Magerrasens freizustellen und zu erhalten. Dabei haben seit 2008 Mitglieder der Wenner Ronde, des Angelsportvereins und der Freien Wähler Allendorf die Fläche in mühsamer Handarbeit freigeräumt und weiterhin sind jedes Jahr Allendorfer Vereine und Ehrenamtler aktiv, um diesen besonderen Ort zu erhalten.

Zur weiteren Pflege und Entwicklung des Lebensraums z.B. für seltene Pflanzen und Insekten werden der Pestfriedhof und der Pestilenzstrauch durch Schafbeweidung vom Stadtschäfer Jens Biedenkopf offengehalten. Zu den besonderen Arten, die dort vorkommen, zählen Heide-Nelke, Acker-Witwenblume, Kriechende Hauhechel, Gewöhnlicher Thymian sowie Steinkauz und Wendehals.

Am Pestfriedhof gibt es seit Kurzem eine neue Sitzgruppe, um Wanderern das Verweilen mit einem wunderbaren Ausblick zu ermöglichen. Gleichzeitig kann die Pause genutzt werden, um sich anhand der neuen Infotafel über die Geschichte der Pest in Allendorf und die Hintergründe der Naturschutzmaßnahme zu informieren.

Der Pestfriedhof ist jedoch keinesfalls das einzige Natur-Highlight, das Allendorf zu bieten hat. Neben dem allseits bekannten Ziegenberg gibt es noch weitere herausragende und seltene Lebensräume, von trockenen Magerrasen bis zu Feuchtwiesen mit seltenen Pflanzenarten. Zwei davon werden bei der Exkursion ebenfalls angesteuert: 

Die „Schweinskaute“ nördlich des Pestfriedhofs befindet sich ganz versteckt im Wald. Dort ist neben der Entwicklung des Magerrasens mit seltenen Pflanzenarten wie z. B. dem Bunten Vergissmeinnicht auch der Erhalt der halboffenen Landschaft wichtig. Zwischen Waldrand, offenen blühenden Wiesen, kleinen Hecken, Steinhaufen und Quellbereichen fühlen sich viele Tiere sehr wohl und sind dort größtenteils ungestört. Es wurden schon Wendehals, Neuntöter, Raubwürger, Schwarzmilan und viele weitere Vogelarten erfasst.

Die Fläche „Vor dem Berg“ ist eine Streuobstwiese, die noch seltene Obstsorten beherbergt und mit einigen großen, alten Bäumen beeindruckt. Die Maßnahme wird aktuell deutlich erweitert und umfasst nun etwa 6,3 ha, die dem Naturschutz im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen gewidmet sind. Hier geht es um den Erhalt und die Erweiterung der Streuobstbestände, die Entwicklung von artenreichen, ungedüngten Wiesen und einer Quelle.

Der Magistrat der Stadt Allendorf (Lumda)

Sebastian Schwarz

Bürgermeister